
Kaffee und Kuchen stehen auf dem Gartentisch, und nach wenigen Minuten kreisen die ersten Wespen über dem Teller. Wer jetzt wedelt, pustet oder zuschlägt, macht die Lage meist schlimmer. Wespen vertreiben gelingt mit Ablenkung, abgedeckten Speisen und ruhigem Verhalten deutlich besser. Hier lesen Sie, was am Tisch hilft, welche Hausmittel nichts bringen und was beim Wespennest am Haus erlaubt ist.
Warum Wespen im Spätsommer an den Tisch kommen
Von den heimischen Wespenarten interessieren sich vor allem zwei für Kuchen, Limonade und Grillfleisch: die Deutsche Wespe und die Gemeine Wespe. Beide bauen ihre Nester bevorzugt in Hohlräumen, etwa in Mauselöchern, Rollladenkästen oder Fassadendämmungen. Frei hängende Nester unter Dachvorsprüngen oder Schuppendächern stammen dagegen meist von friedlicheren Arten wie der Sächsischen Wespe oder der Hornisse.
Im Frühjahr und Frühsommer brauchen die Völker vor allem Eiweiß für die Larven. Die Arbeiterinnen jagen dann Fliegen, Mücken, Raupen und Blattläuse und sind im Garten ausgesprochen nützlich. Ab dem Hochsommer ist die Aufzucht weitgehend abgeschlossen, die Tiere brauchen nun vor allem Zucker als Energie. Fehlen Fallobst und späte Blüten, landen sie am Kuchenteller und am Saftglas. Im Herbst stirbt das Volk ab, nur die jungen Königinnen überwintern.
Was am Tisch tatsächlich hilft
Ablenkfütterung abseits der Sitzplätze
Die wirksamste Methode ist ein Ausweichangebot. Überreife Weintrauben oder etwas Fallobst, einige Meter abseits der Sitzplätze aufgestellt, ziehen die Tiere vom Esstisch weg. Ein Merkblatt des Brandenburger Umweltministeriums empfiehlt diese Ablenkfütterung ausdrücklich. Stellen Sie den Teller weit genug entfernt auf, damit er nicht zusätzliche Wespen direkt an den Tisch lockt, und stellen Sie ihn rechtzeitig vor dem Essen hin, damit die Tiere ihn finden.
Speisen und Getränke abdecken
Was offen steht, riecht und lockt. Kuchen gehört unter eine Haube, Gläser bekommen einen Deckel, und Kinder trinken aus Gläsern mit Strohhalm statt aus Dosen oder Flaschen. So kann keine Wespe unbemerkt in den Mund geraten. Nach dem Essen räumen Sie den Tisch rasch ab, wischen ihn ab und waschen Mund und Hände, denn Wespen merken sich Orte, an denen es regelmäßig etwas zu holen gibt.
Für Terrasse und Balkon reichen dafür zwei einfache Dinge: faltbare Speisehauben aus Netzstoff und wiederverwendbare Deckel für Trinkgläser.
Ruhig bleiben, nicht schlagen
Wespen deuten schnelle Bewegungen als Angriff. Pusten, Wedeln und Schlagen erhöhen deshalb das Risiko eines Stichs. Wird eine Wespe zerdrückt, kann sie Duftstoffe freisetzen, die weitere Tiere alarmieren. Bleiben Sie besser sitzen und beobachten Sie die Wespe. In aller Regel prüft sie kurz und fliegt dann weiter. Genau diese Verhaltensregeln nennt auch das Gesundheitsportal des Bundes in seinen Hinweisen zur Insektengiftallergie als wichtigsten Schutz vor Stichen.
Fenster und Türen sichern
Damit Wespen gar nicht erst in Küche und Kinderzimmer fliegen, halten Fliegengitter an Fenstern und Türen sie zuverlässig draußen. Das Gitter wirkt zugleich gegen Mücken und Fliegen und erlaubt auch an warmen Tagen offene Fenster.
Was nicht oder kaum wirkt
Für Kupfermünzen auf dem Tisch, aufgehängte CDs, eine braune Papiertüte als vermeintliches Fremdnest oder angezündetes Kaffeepulver gibt es keinen belastbaren Beleg. Der scheinbare Erfolg kommt meist daher, dass die Wespen ohnehin weitergezogen wären.
Duftpflanzen wie Basilikum, Lavendel oder Zitronenmelisse und mit Nelken gespickte Zitronenhälften werden oft empfohlen. Ihre Wirkung ist schwach und hängt stark von der Duftmenge ab. Für einen ganzen Nachmittag im Garten reichen sie allein nicht, als Ergänzung zur Ablenkfütterung schaden sie aber nicht.
Von Wespenfallen mit süßer Lockflüssigkeit raten Naturschutzverbände ab. Solche Fallen fangen wahllos auch andere Insekten, darunter geschützte Arten wie Hornissen, und locken zusätzliche Wespen aus der Umgebung an. Elektrische Insektenvernichter im Freien sind aus demselben Grund problematisch.
Das Wespennest am Haus
Ein Nest im Rollladenkasten oder unter dem Dach ist der Punkt, an dem viele zur Sprühdose greifen. Das ist rechtlich heikel. Nach § 39 des Bundesnaturschutzgesetzes ist es verboten, wild lebende Tiere ohne vernünftigen Grund zu fangen, zu verletzen oder zu töten und ihre Lebensstätten ohne vernünftigen Grund zu beeinträchtigen oder zu zerstören. Hornissen sind zusätzlich besonders geschützt, für einen Eingriff in ihr Nest braucht es eine Ausnahmegenehmigung der Unteren Naturschutzbehörde. Verstöße können mit einem Bußgeld geahndet werden.
Meist ist Abwarten die beste Lösung. Ein Wespenvolk lebt nur einen Sommer, im Herbst stirbt es ab, und ein verlassenes Nest wird im folgenden Jahr nicht wieder bezogen. Halten Sie einige Meter Abstand zum Einflugloch, vermeiden Sie Erschütterungen und lassen Sie den betroffenen Rollladen bis zum Herbst in seiner Position. Im Winter lässt sich das leere Nest entfernen und der Hohlraum verschließen, etwa mit einer Bürstendichtung.
Sitzt das Nest an einer kritischen Stelle, etwa direkt neben der Haustür, am Sandkasten oder in einem Haushalt mit Insektengiftallergie, lassen Sie es von einer Fachkraft umsiedeln oder entfernen. Ansprechpartner sind Schädlingsbekämpfer sowie Wespen- und Hornissenberater, deren Kontakte die Untere Naturschutzbehörde Ihres Kreises oder Ihrer Stadt vermittelt.
Vorbeugen für die nächste Saison
Im April und Mai suchen die Königinnen nach Nistplätzen und beginnen mit einem kleinen Gründungsnest. Ein regelmäßiger Blick in Rollladenkästen, Gartenhaus, Dachvorsprünge und Vogelkästen zeigt früh, wo ein Volk entsteht. Je früher Sie ein Nest an einer ungünstigen Stelle bemerken, desto einfacher ist die Lösung mit einer Fachkraft.
- Hohlräume abdichten: Spalten an Fassade und Rollladenkasten vor der Saison schließen.
- Fallobst aufsammeln: Überreifes Obst unter Bäumen zieht im Spätsommer stark an, sofern es nicht bewusst weit abseits als Ablenkfutter liegt.
- Mülltonnen und Kompost geschlossen halten: Offene Küchenabfälle sind eine verlässliche Futterquelle.
- Sitzplatz bewusst bepflanzen: Späte Obstsorten und stark duftende Blüten gehören an den Rand des Grundstücks, nicht direkt an die Terrasse.
Wenn doch eine Wespe sticht
Für die meisten Menschen ist ein Wespenstich schmerzhaft, aber harmlos. Typisch sind Rötung, Schwellung und Schmerz über ein bis zwei Tage. Kühlen Sie die Stelle mit einem in ein Tuch gewickelten Kühlpack und kratzen Sie nicht. Am sofortigen Schmerz und der festen Schwellung lässt sich ein Wespenstich gut von anderen Insektenstichen unterscheiden. Elektrische Stichheiler mit Wärme sind vor allem bei Mückenstichen untersucht, für Wespenstiche ist die Datenlage dünn.
Eine großflächige Schwellung nach einem Insektenstich mit mehr als zehn Zentimetern Durchmesser, die länger als einen Tag anhält, sollten Sie ärztlich abklären lassen. Sie kann auf eine Insektengiftallergie hinweisen.
Wann ein Stich zum Notfall wird
- Stich in Mund oder Rachen: Die Schwellung kann die Atemwege verengen. Wählen Sie sofort den Notruf 112, lassen Sie die Person Eis lutschen und kühlen Sie den Hals von außen.
- Allergische Reaktion: Quaddeln oder Juckreiz am ganzen Körper, Schwellungen im Gesicht, Atemnot, Schwindel, Übelkeit oder Kreislaufprobleme nach dem Stich. Auch hier gilt der Notruf 112.
- Viele Stiche auf einmal: Zahlreiche Stiche können auch ohne Allergie gefährlich werden und gehören ärztlich versorgt.
Etwa zwei Prozent der Bevölkerung reagieren auf Insektenstiche mit Beschwerden, die über die Einstichstelle hinausgehen. Wer betroffen ist, trägt in der Saison ein ärztlich verordnetes Notfallset bei sich. Eine Hyposensibilisierung in einer allergologischen Praxis kann die Reaktion auf spätere Stiche deutlich abschwächen oder ganz verhindern.
Häufige Fragen: Wespen vertreiben
Warum sind Wespen im August und September so aufdringlich?
Im Spätsommer ist die Aufzucht der Larven weitgehend abgeschlossen. Die Arbeiterinnen brauchen jetzt vor allem Zucker und suchen ihn an Kuchen, Limonade und Fallobst. Im Frühsommer jagen dieselben Tiere Insekten und fallen kaum auf.
Darf ich ein Wespennest selbst entfernen?
Davon ist abzuraten. Ohne vernünftigen Grund ist das Zerstören des Nests verboten, bei Hornissen braucht es zusätzlich eine Ausnahmegenehmigung. Ein Nest an einer kritischen Stelle gehört in die Hände einer Fachkraft, an allen anderen Stellen stirbt das Volk im Herbst von selbst ab.
Helfen Kupfermünzen oder eine Papiertüte gegen Wespen?
Für beides gibt es keinen belastbaren Beleg. Wirksamer sind ein Ablenkfutter einige Meter abseits, abgedeckte Speisen und ruhige Bewegungen.
Was tun bei einem Wespenstich im Mund?
Sofort den Notruf 112 wählen, Eis lutschen lassen und den Hals von außen kühlen. Lassen Sie die betroffene Person bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes nicht allein.
Fazit: Wespen vertreiben ohne Gift
Wer Wespen vertreiben möchte, setzt auf drei Dinge: ein Ablenkfutter abseits des Tisches, abgedeckte Speisen und Getränke und ruhige Bewegungen. Kupfermünzen oder Papiertüten bringen nichts, Wespenfallen schaden mehr, als sie nützen. Ein Nest am Haus bleibt in den meisten Fällen bis zum Herbst stehen, an kritischen Stellen hilft eine Fachkraft. Bei einem Stich im Mund oder Anzeichen einer Allergie zählt dagegen jede Minute.
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